Theater Stockdunkel
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Bündner Zeitung

„Ein überaus intensives Hörerlebnis“.

St.Galler Tagblatt

„…in einer brillanten Qualität, wie man sie kaum für möglich hält… ein berauschender Abend“.

Ins Schwarze getroffen

Ein Hörspiel – live – im stockdunklen Kulturschuppen Klosters liess das Publikum über ungewohnt intensive Hör– und Seherlebnisse nur staunen. Ein gelungener Auftakt der Erzähltage.

Um es vorwegzunehmen, das Stück „Niid dergliichä tuä!“, die Verbindung von mystisch-witziger Erzählung mit virtuoser Musik, mit Gesang und einer Geräschkulisse vom Melkstand bis zum Liebesnest, hätte bestimmt auch im Hellen gewirkt, hätte den vier Künstlern wohl ebenso langen Applaus beschert – wie er im pechschwarzen Theaterraum des Kulturschuppens Klosters nach Schluss aufbrauste. Ein überaus intensives Hörerlebnis mit einer für jeden Besucher ganz eigenen Bilderwelt zur Sagengeschichte auf einer Innerschwyzer Alp. Einer Alp, wo die Sünde Einzug hält und Durcheinander bringt – dank dem „Niid dergliichä tuä“ die Kühe aber wieder gemolken werden können, wieder Chääs gemacht wird und auch der Pudel Jean-Jacques wieder auftaucht.

Da erklang ein „Luegit vo Bärg und Tal, wie tönt d’Stilli so luut“ neben dem jazzig vertonten Betruf des Senns, da hörte der Besucher tanzendes Chilbivolk neben Hufgetrampel der Militärlegionen rund um die Schlacht bei Murten. Ein Abstecher nach Murten deshalb, weil die von Paul Steinmann umgeschriebene Sage „Niid dergliichä tuä!“ für ein Hörspiel im Pavillon „Blinde Kuh“ an der Expo 02 geschrieben und dort uraufgeführt worden ist.

Komponist Albin Brun (heiratslustiger Sohn, dazu Saxofon), Bruno Amstad (Alpsenn, Trommler), Patricia Draeger (schöne Neuenburgerin, Akkordeon) und Christine Lather (Erzählerin, Sängerin) sind die Künstler und Musiker, die sich hinter dem Hörspiel „versteckten“. Vier bekannte Kleinkunst-Vertreter, die mit ihrem Können und mit ihrer Ausstrahlung auch im Licht brilliert hätten.

Verena Fiva

Bündner Zeitung

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... als wär' nichts passiert

Vier bekannte Schweizer Musiker geben im Alten Zeughaus eine traumhafte Vorstellung

«Niid dergliichä tuä», heisst das Stück, das an der Expo.02 seine Uraufführung erfuhr. Als Geschichte ein alter Zopf, hat es doch eine völlig neue Dimension: Sowohl Zuschauer wie Musiker sitzen im Dunkeln, bis sich Bilder in den Kopf schleichen.

Die Geschichte ist rasch erzählt. Sie erinnert ein wenig an Alois Carigiets «Zottel, Zick und Zwerg», angereichert durch die eidgenössische Heldengeschichte der Schlacht um Murten und eine interkulturelle Liebe. Bruno Amstad als Alphirt und Vater eines jungen Mannes, dessen Mutter bei der Geburt das Leben liess, macht sich aber nicht etwa auf die Suche nach dem Vieh, das eines Tages spurlos verschwunden ist. Er entschliesst viel mehr - weil das ja schliesslich schon einmal geholfen hat -, dass man sich nichts anmerken lassen soll. Also tun sie auf der Alp so, als wäre gar nichts passiert. Das führt zwar zu Spannungen, die beinahe Vater und Sohn entzweien, bringt jedoch am Schluss alles wieder ins Lot. Nur einem Tier fehlt eine Zitze, doch die kommt als neugeborener Junge des Alphirt-Sohnes und einer Welschen auf die Welt.

Brillante Kulissen

Die Betruf-Saga ist voller Moralvorstellungen von Sünde und Sühne. Dramaturgisch ist dies hilfreich, denn die perfekt inszenierten Bühnenbilder finden lediglich in den Köpfen der Zuschauer statt, individuell und für jeden Gusto. Während des Stücks ist der Raum komplett verdunkelt. Völlig blind ist man genötigt, für einmal einen neuen Kanal zu öffnen. Dies bekommt Dimensionen, die man kaum ahnen kann. Man sieht den Alphirten beim Betruf so deutlich vor sich, hoch auf einer Anhöhe stehend, muss man zu ihm aufschauen. Wieso? Schauen kann man doch nicht, oder doch? Mit der Zeit treten solche Fragen in den Hintergrund und plötzlich steht man mitten in einem altertümlichen Schlachtfeld, sieht sich auf der anschliessenden Party den Helden zum Sieg über Karl den Kühnen gratulieren. Wie eingangs gesagt, ist die Geschichte zwar ein wenig angestaubt, die Bilder dazu sind jedoch taufrisch und in einer brillanten Qualität, wie man sie kaum für möglich hält. Und das dickste Ding kommt ganz am Schluss, wenn zum Hinausführen zwei Taschenlampen angehen und man die optische Realität erblickt: ernüchternd, traurig, trostlos. Es sind vier Stühle für vier Musiker und Stimmen: Das ist bitter.

Ganz anders

Man weiss es natürlich: Patricia Draeger (Akkordeon, Stimme), Christine Lather (Stimme), Bruno Amstad (Stimme) und Albin Brun (Saxofon, Stimme) werden nach der Vorstellung ganz anders aussehen, egal, wen man davon schon einmal bei Bühnenlicht gesehen hat. Vor allem die Betruf-Stimme und die heisere Erzählstimme bleiben noch eine ganze Weile hängen, verbinden kann man sie aber danach nicht ohne weiteres mit den vier Typen an der Bar. Etwas wie Starkult droht so bestimmt nicht aufzukommen, denn man glaubt nicht so recht daran, dass die da etwas mit dem zu tun haben, was vorher war. Wer führte denn Regie im eigenen Kopf, hatte man Fremde eingelassen? Wen das tröstet: Die vier sind gestandene Musiker und zum Teil in ausgezeichnete Projekte involviert. Bruno Amstad beispielsweise erhielt den ZKB-Jazzpreis 2004. Christine Lather und Patricia Draeger ehrten als Mara und Mireille «ein Stück Margrit Rainer» und Albin Brun war in Peter Roths «Transition» sogar schon in Herisau zu hören. All das muss auch gesagt werden, es war schliesslich akustisch ein berauschender Abend. Aber dennoch, die Bilder bleiben am längsten. Und es kommt alles gut - Sankt Antoni sei Dank!

Christian Köppel

St.Galler Tagblatt

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